Der Klang meiner Farben

  

Wenn ich durch die Räume meiner Vergangenheit streife, begegne ich Volontären und Suchenden, Eigenverantwortlichkeit und Wachstum.

 

Jedes Lebensjahr ist kostbar – richtig spannend sind jene Jahre, die noch vor mir liegen und erklommen werden wollen. Erfreulich sind auch die vielen Blickwinkel die wir im Laufe des Lebens erfahren. Angenehm bodenständig ist die Erkenntniss, dass ich, trotz aller Mehrwege und Wartezeiten, stets meiner Authentizität und dem Hunger auf Leben treu geblieben bin – jedem Kraftaufwand, einen ausgeglichenen und fruchtbaren Alltag zu realisieren, zum Trotz. Das Aufgeben von Vorurteilen und die Bereitschaft bei jedem Fehltritt meiner ganz persönlichen Note zu begegnen, stellt für mich die nackte Wirklichkeit des Lebens dar - und offenbart gleichzeitig die Tore für Erkenntnis und Nähe. Die tatsächliche Aufmerksamkeit die wir alle brauchen, um zu atmen und aus der Vielfältigkeit vergangener Erfahrungen zu schöpfen, ist die Berührung. Je weniger ein Mensch von dieser Annäherung erfährt, umso fremder wird er sich selbst und seiner Umwelt bleiben.

 

Viele Abschiede waren alsbald vergessen - doch einige Begegnungen wurden zu einem wertvollen Anker.

 

Was wir gewinnen, wenn wir uns auf das Abenteuer Menschsein einlassen, ist eine grandiose Spiegelung unserer gesamten Persönlichkeit. Auf dem Weg der Verwirklichung von Möglichkeiten und Sehnsüchten begegnen wir so einigen Facetten unseres Selbst - erwachsen aus den unterschiedlichsten Tiefen unserer Persönlichkeit. Bedürfnisse die sich uns offenbaren, wollen durch passende Werkzeuge mit gesunder Dosierung gestillt werden – nur so lässt sich inne wohnender Hunger bändigen und Wachstum erzielen. Erfahrung war schon immer die Schule die uns lehrt, wie unwissend und blind wir sind. Sie instruiert uns eindrucksvoll und porträtiert, dass zwischen Sein und Leben unüberwindbar scheinende Entfernungen liegen können. Doch nur wir sollten die Feder unserer Biographie führen – denn nur wir wissen was uns ausmacht und was uns antreibt.

 

Die Kraft verlässt uns immer dann, wenn Gelassenheit und Begehrlichkeiten falsch arrangiert werden.

 

Das Alter schenkt uns sehr viele Kostbarkeiten – verschließt uns aber auch viele Möglichkeiten. Die Inanspruchnahme von erreichbaren Chancen unterliegt einem ganz eigenen Zeitmuster und ist, wie das Leben selbst, einem natürlichen Verfall ausgesetzt. Aufhalten lässt sich die Vergänglichkeit einer Chance nicht – wir können von den Geschenken des Lebens nur dann profitieren, wenn wir die Gunst des Momentes nutzen. Verstehen wir was in unseren Lebensabschnitten machbar ist, und starten wir hin und wieder ein Update mit unseren Lebensplänen – so lassen sich die Möglichkeiten die uns geschenkt werden, auch sinnvoll selektieren. Spannend seit jeher ist die Verständigung junger und frischer Gedanken mit der erfahrungsgesättigten Umsicht eines gelebten Abschnittes. Denn nur die feinen und leisen Töne des Lebens machen aus vielen Augenblicken wertvolle Momente – und das wahre Vergnügen speist sich nicht nur aus unentbehrlichen Erinnerungen, sondern auch aus der Kraft der Fülle.

Meine Farbe ist die Vielfalt.


LL © 2018